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TIC 4: Tiergesundheit

Kontrolle der Fußballendermatitis in Geflügelbeständen durch einen konzertierten Technologieansatz

Die Nachfrage nach Geflügelprodukten im Grenzgebiet zwischen den Niederlanden, Niedersachsen und NRW steigt stetig. Um regionale Produkte in hoher Qualität und unter nachhaltigen Bedingungen produzieren und vermarkten zu können sind etliche Faktoren von Bedeutung. Bezüglich der Produktion steht an vorderster Stelle eine günstige Kombination zu erreichen aus den Aspekten Tierwohl, Tiergesundheit und Antibiotikaeinsatz (Stichwort: Antibiotikaresistenz). Bezüglich der Vermarktung ist der Einzelhandel ein unentbehrliches Bindeglied, insbesondere wenn es darum geht, die verbesserten Produktionsbedingungen bzw.-qualität in höhere Preise um zu setzen, damit die Nettoerträge für die Produzenten stabil bleiben. Eine im deutsch-niederländischen Geflügelsektor besonders hartnäckige Gesundheitsproblematik steht im Mittelpunkt dieses Teilprojektes: immer mehr Betriebe im Grenzgebiet haben mit der sogenannten Foot Pad Dermatitis (FPD) zu kämpfen. Es handelt sich hierbei um eine Erkrankung, die bei Geflügel zu Fußentzündungen führt, welche sich direkt auf das Tierwohl und die Erträge negativ auswirken. Die Ursachen für FPD-Erkrankungen sind komplex. Wesentlich ist zu feuchtes Einstreu in den Stallungen. Wenn Landwirte es schaffen, vor allem in der Brutzeit ihren Stall trocken zu halten, sind FPD-Erkrankungen deutlich leichter zu verhindern. In der Praxis zeigt sich aber, dass dies einfacher klingt als es ist. Viele verschiedene Faktoren beeinflussen die Beschaffenheit des Stallbodens und somit die Tiergesundheit im Geflügelstall: das Management von Einstreu und Trinkwasser, die Tageslichtverteilung im Stall, Lüftung und Heizung. Zum Zweiten sind Faktoren wie Futtermittel und die Besatzdichte von großem Einfluss. Ein Dritter Faktor ist die Geflügelrasse und ihre jeweilige genetische Anfälligkeit für Erkrankungen. Also, ein Komplex von Faktoren, die Tierkrankheit (FPD), Tierwohl und auch die Medikation beeinflussen und damit zusätzlich die Erträge und das Einkommen des Produzenten.

Das Ziel dieses Teilprojekts ist zweifach. 1) Durch Systemverbesserungen soll das Auftreten bestimmter Produktionsprobleme in Zukunft verhindert werden (u.a. chronische Erkrankungen, hoher Medikamenteneinsatz, Stress). Dazu müssen zunächst in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie die Urheber der Probleme identifiziert und ein neues System entwickelt werden; (2) das neue System muss daraufhin wirtschaftlich optimiert werden: zentral ist dabei die Frage, wie die zusätzlichen Produktionskosten getragen werden können. Die Bereitschaft des Verbrauchers, für höhere Qualität mehr bezahlen zu wollen steht im Mittelpunkt der Projektbetrachtung.

Das erste Teil besteht darin, einen konzertierten Ansatz zu verfolgen bei der Gesundheitsvorsorge im Geflügelstall. Dazu ist eine systemische Veränderung der heutigen Betriebsstrukturen erforderlich. Ziel ist es eine wirtschaftlich optimierte Mischung herbei zu führen: welche Kombination von Geflügelrasse, Einstreu, Klima usw. resultieren in (1) Verringerung der FPD, Erhöhung des Tierwohls und Reduzierung der Medikation, und (2) dies alles zu einem so gering wie nur möglichen Produktionskostenanstieg. Denn, aus wirtschaftlicher Sicht gibt es sogenannte Gegenkräfte zu berücksichtigen: eine robustere Rasse und eine Verringerung der Besatzdichte vergrößern die potentiellen Produktionskosten, aber gleichzeitig wird die Anzahl der FPD-Fälle und der weiteren Krankheitskosten verringert. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, dass die Verbraucher den Anstieg des Tierwohls positiv und infolgedessen mit einem höheren Preis bewerten. Also, aus Sicht der Erzeuger gibt es ein Optimierungsproblem. Die Ergebnisse dieses Teils sollen anschließend in einer Marktkonzeptentwicklung für Geflügelfleisch verwendet werden. Für diesen ersten Teil werden insgesamt 20 Geflügelbetriebe im Landkreis Borken sowie weitere 20 Betriebe in den Niederlanden im Verlauf dieses Projektes eingebunden in die Entwicklung von innovativen Verfahren sowie technologischen Neuerungen für den Geflügelstall. Ausgehend von der veterinärmedizinischen Beratung (LK Emsland, LK Borken, Veterinärpraxis NL) erhalten die Betriebe die Möglichkeit, individuelle Sanierungskonzepte für die jeweilige Problematik auf ihrem Betrieb zu erhalten.

Die innovativen Bausteine werden im Projektverlauf in den Bereichen Futtermittel und Einstreu (Veravis, ChainPoint), Genetik (in Abstimmung mit Hendrix Genetics BV), Vermarktung (in Abstimmung mit Jumbo BV) sowie wirtschaftliche Managementkonzepte (WUR) erarbeitet. Durch die in diesem Projekt erarbeiteten Verfahren sollen die insgesamt 40 Betriebe einerseits ihre individuelle Bestandsgesundheit verbessern (und damit auch den Einsatz von Medikamenten verringern). Anderseits werden alle interessierten Erzeuger in den jeweiligen Projektregionen mittels verschiedenen Veranstaltungen (siehe hierzu auch TEIC) auf die gewonnenen Erkenntnisse aufmerksam gemacht, damit Sie auch Ihnen und damit der ganzen Euregio zum Vorteil gereichen.

Das zweite Ziel bezieht sich auf die Vermarktung. Eine Verbesserung der Produktion führt zu erhöhten Verbraucherpreisen. Die wichtigsten Verbesserungen in der Produktion (z.B. Geflügelrasse, Einstreu, usw.) und die Folgen für die Verbraucherpreise werden Bestandteil einer Verbraucherstudie sein. Hierzu ist ein Retailbetrieb aus in den Niederlanden im Projekt mit eingebunden. Bei den Kunden dieser Retailbetriebs wird ganz gezielt nachgeforscht, in wie weit die Kunden bereit wären, eine zusätzliche Preiserhöhung zu akzeptieren. Zudem kann auf die Erkenntnisse aus einem bereits laufenden deutschen GIQS-Projekt aufgebaut werden, in dem eine ähnliche Studie in Zusammenarbeit mit der Edeka für Schweinefleischprodukte andauert.

Beide Teile zusammen bringen wichtige Erkenntnisse hervor für eine Konzeptentwicklung in der modernen Geflügelzucht. Sie enthalten diverse Vorteile für euregionale Erzeuger sowie Verbraucher und Supermärkte. Letztendlich wird dies die Wirtschaftskraft des gesamten Grenzgebietes erhöhen.

Aus diesem Teilprojekt werden minimal drei innovative Produkte hervortreten:

  • Internet-basiertes Futtermittelmonitoring,
  • Basis-Sanierungskonzept inkl. technologischen Innovationen in den Bereichen Futter/ Einstreu, Stallklima, Genetik, Stalltechnik angewendet auf 40 KMU,
  • Managementsystem zur Unterstützung des Tiermanagements für individuelle Betriebe.
 

Zusammen mit dem Retail wird zudem der Grundstein für ein neues Vermarktungskonzept formuliert und ausarbeitet, wobei die technischen und wirtschaftlichen Erkenntnisse aus diesem Projekt die Basis sind. Ein Betrieb, der dauerhaft Probleme mit der Tiergesundheit hat, droht mittelfristig geschlossen zu werden. Dies bedeutet nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen sondern auch einen wirtschaftlichen Abschwung für die regionale Geflügelbranche. Ein effektives Sanierungskonzept für Geflügelbetriebe liegt daher nicht nur im Interesse der betroffenen Unternehmer, sondern auch im politisch/ gesellschaftlichen Interesse. Nachdem die Zahl der Problemfälle ansteigt besteht hier absoluter Handlungsbedarf. Entsprechend groß ist das Marktpotenzial für technologische und organisatorische Lösungen bei der Bekämpfung der FPD. Mittelfristig sollen die systemischen Verbesserungen dann dazu beitragen, dass Sanierungskonzepte nicht mehr erforderlich sind.

Zusätzlich werden die am Projekt im Bereich Entwicklung und Erprobung von technologischen Innovationen beteiligten Unternehmen (ChainPoint, Inno+, Stork Marel, Hendrix, Agravis, Veravis) durch die Förderung ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gestärkt. Sie sollen im Erfolgsfall ihre neuen Produkte aus der Region in den globalen Markt verkaufen können.

Meilensteine

  • AP 1 Entwicklung eines konzertierten Ansatzes für die Geflügelproduktion (Projektjahr 1-3)
    • Konzeptentwicklung
    • Technologische Entwicklung
    • Praktische Erprobung
  • AP 2 Innovative Vermarktungskonzepte für neue Geflügelprodukte (Projektjahr 1-3)
  • AP 3 Projektevaluierung (Projektjahr 4)


Laufzeit: 01.07.2016 - 30.06.2020
Gesamtkosten (indikativ): 846.128,00 €

Im Cluster arbeiten insgesamt vier Projektpartner grenzüberschreitend zusammen: